BERLIONUM · Info-Stand

Zehn von Sechzehn

Ein 4-Bit-Nibble, 16 Werte: zehn davon sind Ziffern, sechs sind Steuerzeichen. Das ist die ganze Idee - ehrlich eingeordnet.

Das Prinzip

Ein 4-Bit-Nibble hat 16 moegliche Werte. Berlionum interpretiert sie als 10 Datenziffern (0-9) und 6 Steuerzeichen, etwa fuer Blockgrenzen, Trenner oder Escape. Eine Dezimalziffer ist damit unmittelbar - ohne Umrechnung - ein einzelnes Codeelement; die Steuerzeichen liegen im selben Alphabet, also in-band.

Technisch ist das ein Schema der BCD-Familie auf binaerer Hardware: dezimal-orientiert meint die Interpretation, nicht den physikalischen Traeger.

Historisch ehrlich eingeordnet

Die Grundidee, einen Teil der Codes fuer Ziffern und den Rest fuer Struktur zu reservieren, ist Jahrzehnte alt: die IBM 1620 (ab ca. 1959) nutzte nichtdezimale Bitkombinationen als Record Mark, Group Mark und Numerical Blank; IBM System/360 packed decimal belegt ein Nibble mit dem Vorzeichen. 10 von 16 ist die moderne 4-Bit-Entsprechung dieses Gedankens - eine Variante, keine Neuheit.

Der Beitrag des Preprints liegt deshalb nicht in der Idee dezimal, sondern in einer offenen, datierten und ehrlich eingeordneten Referenz.

Die Zahlen

Die Kodierungsdichte ist analytisch nachrechenbar: 10 von 16 braucht 4,0 Bit pro Dezimalziffer - exakt wie packed BCD. Densely Packed Decimal packt drei Ziffern in zehn Bit (3,33 Bit pro Ziffer); das informationstheoretische Minimum liegt bei log2(10), rund 3,32 Bit.

Als Nutzlast-Ausnutzung: 83,0 % fuer 10 von 16 gegenueber 99,7 % fuer DPD; von den 16 Codepunkten tragen nur 10 eine Ziffer (62,5 %). Es gibt keinen Dichtevorteil - der Nutzen liegt in Einfachheit und den sechs In-band-Steuerzeichen. Anhang A des Preprints enthaelt die Rechnung zum Selbst-Nachpruefen.

Was es nicht behauptet

Kein Geschwindigkeits-, Energie- oder Hardwarevorteil: keiner wurde gebaut oder gemessen, und keiner folgt aus der Kodierung selbst. Auch exakte Dezimalbruch-Arithmetik ist kein Alleinstellungsmerkmal - die teilt jedes Dezimalformat, von BCD ueber skalierte Ganzzahlen bis IEEE 754 decimal.

Detaillierte Maschinenspezifikation, Referenzimplementierung und hardwarenahe Verfahren sind bewusst nicht Teil der Veroeffentlichung.

Die offene Forschungsfrage

Der Preprint ersetzt vage Vorteils-Behauptungen durch eine falsifizierbare Frage: Fuer welche fest definierte Aufgabenklasse - wenn ueberhaupt - erreicht eine mehrwertige Darstellung (mehr als zwei Zustaende) bei gleicher Fehlerrate, Bandbreite und Fertigungstechnologie eine niedrigere Energie pro korrekter Operation als eine binaere Baseline?

Die ehrliche Null-Hypothese lautet: fuer keine. Eine belastbare Antwort verlangt gebaute, gemessene Hardware - eine Software-Studie kann sie nicht liefern. Mehrstufige Signalisierung existiert zwar laengst (PAM-4, 16-QAM), aber als Datenuebertragung, nicht als Rechnen.

Nachlesen

Der vollstaendige Preprint ist offen zugaenglich: DOI 10.5281/zenodo.20584848 - CC BY 4.0, 9 Seiten, deutsch, publiziert am 07.06.2026 als Defensive Publication mit Prioritaetsdatum.

Die Einordnung in die gesamte Studienreihe steht auf scienceofgs.com.